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Termin: 🗓️ 23.09. ⏰ 10-10:30 Uhr

Anforderungen an eine Mitarbeiter App

Erfahren Sie welche Anforderungen eine Mitarbeiter App benötigt und was dabei zu beachten ist, um diese bestmöglich zu realisieren.

Eine Mitarbeiter-App soll Beschäftigte zuverlässig informieren, den Austausch erleichtern und relevante Services mobil zugänglich machen. Welche Lösung dafür geeignet ist, entscheidet sich jedoch nicht anhand der längsten Funktionsliste. Gute Anforderungen an eine Mitarbeiter-App beginnen bei den Kommunikationszielen, Zielgruppen und Nutzungssituationen des Unternehmens. Erst danach folgen Funktionen, Technik, Datenschutz und Betrieb.

Kurz beantwortet: Eine Mitarbeiter-App sollte alle relevanten Beschäftigtengruppen erreichen, zielgerichtete Kommunikation ermöglichen, einfach bedienbar und sicher sein sowie in die vorhandene Systemlandschaft passen. Für die Auswahl werden Anforderungen am besten als prüfbare Muss-, Soll- und Kann-Kriterien formuliert. Zu jeder wichtigen Anforderung gehören außerdem ein konkreter Anwendungsfall und ein Abnahmekriterium.

Dieser Ratgeber liefert einen strukturierten Anforderungskatalog für Projektbriefing, Lastenheft und Anbieterauswahl. Er ersetzt keine individuelle Datenschutz-, IT-Sicherheits- oder Rechtsprüfung. Die Anforderungen müssen immer an Organisation, Belegschaft, Betriebsmodell und Risikoprofil angepasst werden.

Was ist ein Anforderungskatalog für eine Mitarbeiter-App?

Ein Anforderungskatalog für eine Mitarbeiter-App beschreibt, was die Lösung für das Unternehmen und seine Beschäftigten leisten muss. Er umfasst funktionale Anforderungen, beispielsweise News und Push-Benachrichtigungen, sowie nicht-funktionale Anforderungen wie Bedienbarkeit, Verfügbarkeit, Datenschutz, Informationssicherheit und Support.

Der Anforderungskatalog beschreibt zunächst das Was und Warum aus Sicht des auftraggebenden Unternehmens. Wie der Anbieter die Anforderungen technisch erfüllt, wird anschließend im Lösungskonzept, Angebot oder Pflichtenheft konkretisiert.

Eine gute Anforderung besteht aus vier Elementen:

  • 1. Nutzungskontext: Wer benötigt die Funktion und in welcher Situation?
  • 2. Ziel: Welches Problem oder welcher Prozess soll verbessert werden?
  • 3. Anforderung: Was muss die Lösung konkret ermöglichen?
  • 4. Abnahmekriterium: Woran lässt sich nachvollziehbar erkennen, dass die Anforderung erfüllt ist?

Beispiel: „Produktionsmitarbeitende ohne dienstliche E-Mail-Adresse müssen die App über einen vom Unternehmen freigegebenen alternativen Registrierungsweg nutzen können. Im Abnahmetest können fünf Testpersonen ohne Firmen-E-Mail ein Konto aktivieren und auf die für ihren Standort freigegebenen Inhalte zugreifen.“

Diese Form ist aussagekräftiger als eine isolierte Forderung wie „Login ohne E-Mail“, weil Zielgruppe, Zweck und Prüfbarkeit erkennbar werden.

Zuerst Ziele und Zielgruppen klären

Bevor Funktionen gesammelt werden, sollte das Projektteam die Ausgangslage beschreiben. Sonst wird der Anforderungskatalog schnell zu einer Wunschliste ohne klare Prioritäten.

Welche Kommunikationsprobleme soll die App lösen?

Typische Ausgangspunkte sind:

  • Beschäftigte in Produktion, Pflege, Logistik oder Außendienst werden über bestehende Kanäle nicht zuverlässig erreicht.
  • Unternehmensinformationen verteilen sich auf E-Mail, Intranet, Messenger, Aushänge und lokale Dateien.
  • Standorte oder Bereiche erhalten Informationen zu spät oder ohne klare Relevanz.
  • Rückfragen, Feedback und Stimmungsbilder lassen sich nur schwer bündeln.
  • Dokumente, Kontakte, Termine und Services sind mobil nicht verfügbar.
  • Neue Mitarbeitende finden wichtige Informationen und Ansprechpersonen nicht schnell genug.

Definieren Sie daraus wenige messbare Projektziele. Beispiele sind eine höhere Reichweite wichtiger Meldungen, weniger parallele Kommunikationskanäle, schnellere Informationsverteilung oder eine stärkere Beteiligung an Umfragen. Metriken sollten den Zweck abbilden und nicht bloß App-Logins maximieren.

Welche Beschäftigtengruppen müssen erreicht werden?

Eine Mitarbeiter-App darf nicht nur für Büroarbeitsplätze konzipiert werden. Erfassen Sie unter anderem:

  • Beschäftigte mit und ohne Firmen-E-Mail-Adresse,
  • Frontline Worker und Deskless Worker,
  • Mitarbeitende mit privaten oder dienstlichen Geräten,
  • Schichtarbeit, Außendienst und wechselnde Einsatzorte,
  • unterschiedliche Standorte, Gesellschaften, Sprachen und Zeitzonen,
  • Auszubildende, Aushilfen, Saisonkräfte oder externe Personengruppen,
  • Menschen mit unterschiedlichen digitalen Fähigkeiten und Zugangsbedürfnissen.

Für jede Zielgruppe sollten Zugang, relevante Inhalte, benötigte Services und mögliche Nutzungshürden dokumentiert werden. Die Übersicht zur Polario Mitarbeiter-App zeigt, wie mobile und webbasierte Nutzung zusammenspielen können.

Thumbnail Mitarbeiter App
Allgemeiner Use Case

Mitarbeiter App

Steigern Sie mithilfe einer Mitarbeiter App die Kommunikation in Ihrem Unternehmen und erreichen jede Person direkt und ortsunabhängig.

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Funktionale Anforderungen an eine Mitarbeiter-App

Funktionen sollten immer auf einen dokumentierten Anwendungsfall zurückzuführen sein. Nicht jede Organisation benötigt Chat, Social Feed, Schichtplanung oder eine umfassende Prozessplattform.

Zielgerichtete News und Push-Benachrichtigungen

Die App sollte redaktionelle Inhalte nach definierten Merkmalen ausspielen können, beispielsweise Standort, Bereich, Rolle, Sprache oder Interessengruppe. Zu klären sind:

  • Welche Redaktion darf welche Zielgruppen ansprechen?
  • Können Beiträge geplant, freigegeben und zeitlich begrenzt werden?
  • Lassen sich wichtige Meldungen als Push-Benachrichtigung versenden?
  • Gibt es Lesebestätigungen oder verpflichtende Informationen, sofern fachlich und rechtlich erforderlich?
  • Wie werden mehrsprachige Inhalte erstellt und gepflegt?
  • Können Inhalte archiviert, gesucht und aktualisiert werden?

Ein prüfbares Muss-Kriterium könnte lauten: „Redakteure müssen einen Beitrag ausschließlich an Beschäftigte eines ausgewählten Standorts senden können. Nutzer anderer Standorte dürfen den Beitrag weder im Feed noch per Push erhalten.“

Austausch, Feedback und Beteiligung

Je nach Kommunikationskultur können Kommentare, Reaktionen, Chats, Gruppen, Umfragen oder Ideenmanagement sinnvoll sein. Dabei müssen Moderation und Verantwortlichkeiten mitgedacht werden:

  • Wer darf Beiträge erstellen oder kommentieren?
  • Können Funktionen für einzelne Bereiche aktiviert oder deaktiviert werden?
  • Wie werden unangemessene Inhalte gemeldet und bearbeitet?
  • Welche Aufbewahrungs- und Löschregeln gelten?
  • Wie wird verhindert, dass dringende oder sensible Anliegen im falschen Kanal landen?

Ein Vergleich verschiedener interner Kommunikationskanäle hilft dabei, App-Funktionen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit E-Mail, Intranet, Meetings und Messenger zu bewerten.

Suche, Dokumente und Wissenszugang

Beschäftigte sollten Informationen nicht nur erhalten, sondern später wiederfinden können. Relevante Anforderungen betreffen:

  • Volltextsuche und Filter,
  • Dokumentablage und Versionierung,
  • zielgruppenspezifische Sichtbarkeit,
  • Download- und Offline-Regeln,
  • Favoriten oder persönliche Ablagen,
  • Ablaufdaten und redaktionelle Verantwortliche,
  • Kennzeichnung veralteter Inhalte.

Verzeichnisse, Kontakte und Standorte

Mitarbeiter-, Ansprechpartner- und Standortverzeichnisse können Orientierung schaffen. Vorab ist festzulegen, welche Profildaten sichtbar sein dürfen, aus welchem System sie stammen und wer Änderungen vornimmt. Besonders bei automatischer Synchronisierung müssen Datenquelle, Aktualisierungsrhythmus und Fehlerbehandlung beschrieben werden.

Veranstaltungen und organisatorische Services

Je nach Use Case können Termine, Anmeldungen, Formulare, Speisepläne, Benefits, Links zu HR-Services oder strukturierte Onboarding-Abläufe integriert werden. Wichtig ist die Abgrenzung: Soll die App den Prozess selbst abbilden oder nur einen sicheren, verständlichen Einstieg in ein führendes Fachsystem bieten?

Funktionale Anforderungen einer Mitarbeiter-App in fünf Bereichen
Funktionen sollten aus konkreten Kommunikations- und Nutzungsszenarien abgeleitet werden.

Anforderungen an Zugang und Geräte

Der Zugang entscheidet maßgeblich darüber, ob eine Mitarbeiter-App tatsächlich alle relevanten Gruppen erreicht. Prüfen Sie folgende Varianten:

  • Login mit Firmenkonto und Single Sign-on,
  • Zugang ohne persönliche Firmen-E-Mail-Adresse,
  • Einladungs-, Code- oder Registrierungsverfahren,
  • Bereitstellung auf privaten Geräten nach abgestimmtem BYOD-Konzept,
  • Nutzung auf dienstlich verwalteten Geräten,
  • Web-App für Desktop und gemeinsam genutzte Arbeitsplätze,
  • Deaktivierung oder Entzug von Zugängen beim Austritt,
  • Wiederherstellung des Zugangs bei Gerätewechsel.

Nicht jeder Login-Weg passt zu jeder Organisation. IT, Datenschutz, HR und gegebenenfalls der Betriebsrat sollten deshalb früh klären, welche Identitäten das führende System bereitstellt und wie Eintritte, Rollenwechsel und Austritte verarbeitet werden.

Redaktion, Rollen und Governance

Eine Mitarbeiter-App ist kein einmaliges IT-Projekt, sondern ein dauerhaft betriebener Kommunikationskanal. Der Anforderungskatalog sollte deshalb nicht nur Nutzerfunktionen, sondern auch das Redaktions- und Betriebsmodell beschreiben.

Anforderungen an das Content-Management-System

Das CMS sollte für die zuständigen Redakteure ohne Entwicklungskenntnisse bedienbar sein. Zu prüfen sind:

  • Rollen und Berechtigungen für zentrale und dezentrale Redaktionen,
  • Vorschau für App und Web,
  • Entwürfe, Freigaben und geplante Veröffentlichung,
  • Zielgruppensteuerung und Mehrsprachigkeit,
  • Medien- und Dokumentenverwaltung,
  • wiederverwendbare Inhalte und Vorlagen,
  • Suche und Auffindbarkeit vorhandener Inhalte,
  • Auswertung von Reichweite und Interaktion,
  • nachvollziehbare Änderungen und Verantwortlichkeiten.

Der Überblick zum Polario No-Code-CMS zeigt mögliche redaktionelle Bausteine. Vor der Auswahl sollten die späteren Redakteure typische Aufgaben in einer Demo selbst durchführen, statt nur einer Produktpräsentation zuzusehen.

Governance-Fragen für den laufenden Betrieb

Klären Sie schriftlich:

  • Wer besitzt die fachliche Verantwortung für die App?
  • Wer darf Zielgruppen, Rollen und Berechtigungen ändern?
  • Welche Bereiche dürfen selbst veröffentlichen?
  • Welche Inhalte benötigen eine Freigabe?
  • Wer moderiert Kommentare und Gruppen?
  • Welche Reaktionszeiten gelten bei kritischen Meldungen?
  • Wer prüft veraltete Inhalte und Dokumente?
  • Wie werden Datenschutzanfragen, Störungen und Sicherheitsvorfälle bearbeitet?

Datenschutz und Informationssicherheit

Eine Mitarbeiter-App verarbeitet regelmäßig personenbezogene Daten wie Namen, Kontaktdaten, Organisationseinheiten, Geräteinformationen und Interaktionen. Datenschutz und Informationssicherheit gehören daher als prüfbare Anforderungen in das Projekt – nicht als pauschale Aussage „DSGVO-konform“.

Datenschutzanforderungen

Gemeinsam mit Datenschutz und Rechtsberatung sollten mindestens folgende Punkte geklärt werden:

  • Zwecke und Rechtsgrundlagen der Verarbeitung,
  • erforderliche und optionale Profildaten,
  • Rollen von Verantwortlichem und Auftragsverarbeiter,
  • Auftragsverarbeitungsvertrag und Unterauftragnehmer,
  • Datenstandorte und mögliche internationale Datenübermittlungen,
  • Lösch- und Aufbewahrungskonzept,
  • Auskunft, Berichtigung, Export und Löschung,
  • Protokollierung und Zugriff auf Protokolldaten,
  • Datenschutzinformationen für Beschäftigte,
  • Erforderlichkeit einer Datenschutz-Folgenabschätzung im konkreten Einsatz.

Datenschutz durch Technikgestaltung und datenschutzfreundliche Voreinstellungen sollten bereits bei Auswahl und Konfiguration berücksichtigt werden. Die tatsächliche datenschutzrechtliche Bewertung hängt jedoch vom geplanten Einsatz ab.

Sicherheitsanforderungen

Zu den möglichen Sicherheitskriterien gehören:

  • Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung,
  • rollenbasierte Zugriffsrechte und Prinzip der minimalen Berechtigung,
  • Multi-Faktor-Authentifizierung für administrative Konten,
  • sichere Sitzungs- und Passwortregeln,
  • dokumentierte Backup- und Wiederherstellungsverfahren,
  • Verfügbarkeit und vereinbarte Service Levels,
  • Schwachstellenmanagement und Sicherheitsupdates,
  • Protokollierung sicherheitsrelevanter Aktionen,
  • Incident-Response- und Meldeprozesse,
  • unabhängige Prüfungen oder geeignete Sicherheitsnachweise,
  • geregelter Datenexport und Exit-Prozess.

Der BSI-Kriterienkatalog C5 kann bei Cloud-Diensten als Orientierung für die Bewertung von Informationssicherheit dienen. Ob eine bestimmte Testierung oder ein anderer Nachweis erforderlich ist, muss aus Schutzbedarf, Branche und Beschaffungsvorgaben abgeleitet werden. Polario beschreibt eigene Angaben zu Datenschutz, Datenstandort und Sicherheit im Bereich Compliance.

Hosting in Deutschland konkret prüfen

„Hosting in Deutschland“ ist für viele Projekte ein wichtiges Auswahlkriterium, sollte aber präzisiert werden. Fragen Sie nicht nur nach dem Speicherort, sondern nach Datenflüssen, Backups, Unterauftragnehmern, Supportzugriffen, Verschlüsselung, Wiederherstellung und Exit. So wird aus einer Marketingaussage eine prüfbare Anforderung.

Barrierefreiheit und einfache Bedienung

Barrierefreiheit verbessert den Zugang für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und häufig zugleich die allgemeine Bedienbarkeit. Die WCAG 2.2 enthalten testbare Erfolgskriterien für Webinhalte; das W3C stellt außerdem informative Hinweise zur Anwendung auf mobile Apps bereit. Welcher rechtliche und technische Standard im konkreten Projekt gilt, sollte fachlich geprüft werden.

Für den Anforderungskatalog sind unter anderem relevant:

  • ausreichende Kontraste und skalierbare Schrift,
  • Screenreader-kompatible Beschriftungen und sinnvolle Fokusreihenfolge,
  • Bedienung ohne ausschließlich komplexe Gesten,
  • ausreichend große Touch-Ziele,
  • verständliche Fehler- und Statusmeldungen,
  • Unterstützung unterschiedlicher Displayausrichtungen, soweit erforderlich,
  • Untertitel oder Alternativen für audiovisuelle Inhalte,
  • zugängliche Authentifizierung,
  • einfache Sprache beziehungsweise verständliche redaktionelle Regeln,
  • Tests mit assistiven Technologien und realen Nutzern.

Auch das CMS muss gut bedienbar sein. Lassen Sie Redakteure deshalb in einer Testaufgabe einen Beitrag erstellen, eine Zielgruppe wählen, eine Vorschau prüfen und eine Veröffentlichung planen.

Integrationen und Datenqualität

Schnittstellen können manuelle Pflege reduzieren und Inhalte oder Nutzerinformationen aktuell halten. Eine vorhandene API allein beantwortet jedoch nicht, ob der konkrete Prozess funktioniert.

Beschreiben Sie je Integration:

  • 1. führendes Quellsystem,
  • 2. benötigte Datenfelder,
  • 3. Übertragungsrichtung,
  • 4. Aktualisierungsrhythmus,
  • 5. Authentifizierung und Berechtigungen,
  • 6. Validierung und Fehlerbehandlung,
  • 7. Monitoring und Verantwortlichkeit,
  • 8. Verhalten bei Ein-, Aus- und Wiedereintritt,
  • 9. Löschung und Datenexport,
  • 10. Kosten für Einrichtung, Betrieb und Änderungen.

Typische Systeme sind Identity Provider, HR-System, Active Directory, Intranet, Dokumentenmanagement, Kalender, Newsletter, Schichtplanung oder Ticketing. Informationen zu möglichen technischen Anbindungen finden Sie unter API und Integration.

Mögliche Integrationen einer Mitarbeiter-App mit Identitäts- und Fachsystemen
Eine Schnittstelle ist erst vollständig beschrieben, wenn Daten, Richtung, Aktualisierung, Fehlerbehandlung und Betrieb geklärt sind.

Nicht-funktionale Anforderungen messbar formulieren

Nicht-funktionale Anforderungen beschreiben die Qualität und Betriebsbedingungen der Lösung. Formulierungen wie „intuitiv“, „sicher“, „schnell“ oder „hoch verfügbar“ sind ohne Maßstab nicht prüfbar.

Bereich Zu allgemeine Formulierung Besser prüfbar formuliert
Bedienung
Die App muss intuitiv sein.
Mindestens acht von zehn repräsentativen Testpersonen können eine News finden und einen gespeicherten Kontakt ohne Hilfe aufrufen.
Performance
Inhalte müssen schnell laden.
Für definierte Testszenarien wird eine maximale Ladezeit unter festgelegten Netzbedingungen vereinbart.
Verfügbarkeit
Die Plattform muss hoch verfügbar sein.
Verfügbarkeit, Messmethode, Wartungsfenster und Reaktion bei Unterschreitung werden im Service Level festgelegt.
Support
Der Anbieter muss schnell helfen.
Supportzeiten, Prioritätsklassen, Reaktionszeiten, Eskalation und Kontaktwege werden dokumentiert.
Datenexport
Daten müssen exportierbar sein.
Exportformat, Umfang, Frist, Kosten und sichere Übergabe bei Vertragsende werden festgelegt.
Barrierefreiheit
Die App soll barrierefrei sein.
Zielstandard, betroffene Komponenten, Prüfverfahren und Umgang mit Abweichungen werden vereinbart.

Werte und Testbedingungen müssen projektspezifisch festgelegt werden. Die Tabelle liefert eine Formulierungsmethode, keine allgemeingültigen Grenzwerte.

Muss, Soll oder Kann: Anforderungen priorisieren

Eine nachvollziehbare Priorisierung verhindert, dass alle Wünsche scheinbar gleich wichtig werden.

  • Muss-Kriterium: Ohne Erfüllung ist die Lösung fachlich, rechtlich oder technisch nicht einsetzbar.
  • Soll-Kriterium: Die Anforderung besitzt hohen Nutzen, ist aber unter begründeten Bedingungen verhandelbar.
  • Kann-Kriterium: Die Funktion bietet zusätzlichen Mehrwert, entscheidet jedoch nicht über die grundsätzliche Eignung.
  • Nicht im Projektumfang: Bewusst ausgeschlossene Anforderung, damit keine falschen Erwartungen entstehen.

Für jedes Muss-Kriterium sollte geprüft werden, ob es wirklich ein Ausschlusskriterium ist. Zu viele Muss-Anforderungen verkleinern den Markt, erhöhen Individualentwicklungen und können die Auswahl unnötig verteuern. Zu wenige klare Muss-Kriterien verschieben dagegen wichtige Konflikte in die Umsetzung.

Anforderungen einer Mitarbeiter-App nach Muss, Soll und Kann priorisieren
Eine klare Priorisierung schafft Vergleichbarkeit und begrenzt unnötige Individualentwicklung.

Lastenheft für eine Mitarbeiter-App erstellen

Ein Lastenheft bündelt Ausgangslage, Ziele, Rahmenbedingungen und Anforderungen aus Sicht des Unternehmens. Für die erste Markterkundung genügt häufig eine kompakte Leistungsbeschreibung. Vor einem verbindlichen Angebot oder einer formalen Ausschreibung müssen kritische Anforderungen jedoch ausreichend konkret und prüfbar sein.

Empfohlene Struktur

  • 1. Unternehmen und Ausgangslage: Organisation, Standorte, Beschäftigtengruppen und heutige Kommunikationskanäle.
  • 2. Projektziele und Abgrenzung: Erwartete Wirkung, Kennzahlen und bewusst nicht enthaltene Prozesse.
  • 3. Nutzer und Mengengerüst: Nutzerzahlen, Rollen, Regionen, Sprachen, Geräte und erwartetes Wachstum.
  • 4. Funktionale Anforderungen: Information, Austausch, Suche, Dokumente, Verzeichnisse, Events und Services.
  • 5. Zugang und Identitäten: Login, SSO, Nutzeranlage, Rollenwechsel und Austritt.
  • 6. CMS und Governance: Redaktion, Freigaben, Zielgruppen, Moderation und Analyse.
  • 7. Integrationen: Systeme, Datenfelder, Richtung, Taktung und Betrieb.
  • 8. Datenschutz und Sicherheit: Verarbeitung, Hosting, Nachweise, Löschung, Backup und Exit.
  • 9. Barrierefreiheit und Bedienung: Zielstandard, Testverfahren und redaktionelle Anforderungen.
  • 10. Einführung und Migration: Pilot, Datenübernahme, Schulung, Kommunikation und Rollout.
  • 11. Service und Betrieb: Support, Service Levels, Updates und Verantwortlichkeiten.
  • 12. Preisblatt und TCO: einmalige, laufende und interne Kosten über denselben Betrachtungszeitraum.
  • 13. Bewertung und Abnahme: Prioritäten, Nachweise, Demoszenarien und Abnahmekriterien.

Lösungsoffen, aber nicht ungenau formulieren

Beschreiben Sie bei fachlichen Anforderungen möglichst das gewünschte Ergebnis statt ein unbekanntes Produktdetail nachzubauen. Gleichzeitig müssen kritische Randbedingungen eindeutig sein.

Zu vage: „Die App braucht einen Chat.“
Besser: „Beschäftigte ausgewählter Organisationseinheiten müssen direkte Nachrichten austauschen können. Es muss konfigurierbar sein, welche Gruppen den Chat nutzen dürfen. Aufbewahrung, Moderation und Dateianhänge sind im Angebot gesondert zu erläutern.“

Diese Form lässt Raum für geeignete Lösungen, ohne die eigentliche Aufgabe offenzulassen.

Leistungsbeschreibung für eine Mitarbeiter-App herunterladen

Eine strukturierte Leistungsbeschreibung hilft Ihnen, funktionale, technische und organisatorische Anforderungen vollständig zu erfassen und gegenüber potenziellen Anbietern eindeutig zu formulieren. Nutzen Sie unser Whitepaper als praktische Vorlage für Ihre Projektplanung, Ausschreibung und Anbieterauswahl.

Anbieter anhand realer Szenarien prüfen

Eine allgemeine Produktdemo reicht für eine belastbare Auswahl nicht aus. Geben Sie allen Anbietern dieselben Aufgaben, zum Beispiel:

  • 1. Eine Redakteurin erstellt eine Meldung für einen Standort in zwei Sprachen, lässt sie freigeben und plant eine Push-Benachrichtigung.
  • 2. Ein Produktionsmitarbeiter ohne Firmen-E-Mail aktiviert seinen Zugang und findet ein Sicherheitsdokument.
  • 3. Ein lokaler Redakteur veröffentlicht in seinem Bereich, kann jedoch keine globalen Zielgruppen verändern.
  • 4. Ein ausgetretener Nutzer verliert automatisiert seinen Zugriff.
  • 5. Die IT zeigt, wie eine fehlerhafte Synchronisierung erkannt und bearbeitet wird.
  • 6. Der Anbieter demonstriert Datenexport, Rollenverwaltung und relevante Sicherheitskonfigurationen.

Dokumentieren Sie anschließend, ob das Szenario im Standard, durch Konfiguration, über eine Integration oder nur durch Individualentwicklung möglich ist. Der Beitrag zur Auswahl einer Mitarbeiter-App vertieft den strukturierten Anbietervergleich.

Typische Fehler im Anforderungskatalog

Funktionen ohne Kommunikationsziel sammeln

Eine lange Featureliste wirkt vollständig, erschwert aber die Priorisierung. Jede zentrale Funktion sollte einem konkreten Problem, einer Zielgruppe und einem erwarteten Nutzen zugeordnet sein.

Frontline Worker zu spät berücksichtigen

Wenn Zugang ohne Firmen-E-Mail, private Geräte, Schichtbetrieb oder geringe digitale Routine erst im Pilot auffallen, muss das Konzept häufig grundlegend angepasst werden.

Datenschutz mit einer Ja-Nein-Frage behandeln

„DSGVO-konform“ ist kein ausreichendes Prüfkriterium. Verarbeitung, Rollen, Datenflüsse, Unterauftragnehmer, Löschung und technische Maßnahmen müssen zum konkreten Einsatz passen.

Betrieb und Redaktion unterschätzen

Ohne klare Zuständigkeiten entstehen veraltete Inhalte, unklare Freigaben und überlastete Zentralredaktionen. Das Betriebsmodell gehört deshalb bereits in die Auswahlphase.

Standard und Individualentwicklung nicht trennen

Lassen Sie im Angebot kennzeichnen, welche Anforderungen im Standard enthalten, konfigurierbar, über Schnittstellen lösbar, geplant oder individuell zu entwickeln sind. Klären Sie auch Folgekosten und Updatefähigkeit.

Nur den Lizenzpreis vergleichen

Setup, Integrationen, Migration, Schulung, Support und interne Redaktion gehören in die Total Cost of Ownership. Alle Anbieter sollten über denselben Zeitraum und Leistungsumfang verglichen werden.

Von der Anforderung zur Einführung

Nach der Auswahl werden Anforderungen in Konfiguration, Integrationen, Inhalte, Tests und Rollout übersetzt. Sinnvoll ist ein Pilot mit repräsentativen Zielgruppen – nicht nur mit Projektteam und Büroarbeitsplätzen. Rückmeldungen sollten dokumentiert, priorisiert und vor dem breiten Rollout bewertet werden.

Die schrittweise Einführung einer Mitarbeiter-App umfasst neben Technik und Inhalten auch Governance, Kommunikation, Schulung und kontinuierliche Optimierung.

Fazit: Gute Anforderungen sind zielbezogen und prüfbar

Ein wirksamer Anforderungskatalog beginnt nicht mit Funktionen, sondern mit Kommunikationsaufgabe, Zielgruppen und Nutzungssituationen. Darauf bauen Zugang, Funktionen, Governance, Integrationen, Datenschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit und Betrieb auf.

Formulieren Sie kritische Anforderungen so, dass Anbieter sie nachvollziehbar beantworten und Projektteams sie später testen können. Die Kombination aus Nutzungskontext, Ziel, Priorität und Abnahmekriterium schafft eine belastbare Grundlage für Shortlist, Demo, Angebot und Einführung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Eine Mitarbeiter-App sollte relevante Beschäftigtengruppen zuverlässig erreichen, zielgerichtete Information und Austausch ermöglichen, einfach bedienbar und sicher sein sowie zur vorhandenen Systemlandschaft passen. Zusätzlich werden Anforderungen an CMS, Rollen, Datenschutz, Barrierefreiheit, Support und laufenden Betrieb benötigt.

Häufig benötigte Funktionen sind News, Push-Benachrichtigungen, Zielgruppensteuerung, Suche, Dokumente, Verzeichnisse, Feedback und Umfragen. Chat, Social Feed, Events oder HR-Services sind abhängig vom Use Case. Funktionen sollten nur aufgenommen werden, wenn sie ein dokumentiertes Kommunikations- oder Prozessziel unterstützen.

Ein Lastenheft enthält Ausgangslage, Ziele, Zielgruppen, Mengengerüst, funktionale und nicht-funktionale Anforderungen, Zugang, Rollen, Integrationen, Datenschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit, Einführung, Support, Preise, Bewertung und Abnahmekriterien.

Das Lastenheft beschreibt die Anforderungen und Ziele aus Sicht des Auftraggebers. Das Pflichtenheft beziehungsweise Lösungskonzept beschreibt, wie der Anbieter diese Anforderungen umsetzt. Bezeichnung und Verbindlichkeit sollten im konkreten Beschaffungsprozess eindeutig geregelt werden.

Anforderungen lassen sich als Muss, Soll und Kann einstufen. Muss-Kriterien sind für Einsatzfähigkeit, Recht oder Sicherheit unverzichtbar. Soll-Kriterien besitzen hohen Nutzen, bleiben aber verhandelbar. Kann-Kriterien liefern zusätzlichen Mehrwert. Jede Einstufung sollte begründet werden.

Zu prüfen sind insbesondere Zwecke, Rechtsgrundlagen, Datenminimierung, Auftragsverarbeitung, Unterauftragnehmer, Datenflüsse, Speicherorte, Löschung, Betroffenenrechte, Protokollierung und technische Schutzmaßnahmen. Die Bewertung muss auf dem konkreten Einsatzszenario beruhen.

Welche rechtlichen Vorgaben gelten, hängt von Organisation und Einsatz ab. Unabhängig davon verbessert Barrierefreiheit die Nutzbarkeit. Zielstandard, betroffene Komponenten, Prüfverfahren und Abnahmekriterien sollten deshalb im Anforderungskatalog ausdrücklich festgelegt werden.

Alle Anbieter sollten dieselben realen Aufgaben zeigen: zielgerichtete Veröffentlichung, Zugang einer typischen Frontline-Person, Rollenverwaltung, Nutzeraustritt, Integration und Datenexport. Dabei wird dokumentiert, ob die Lösung im Standard, durch Konfiguration, Integration oder Individualentwicklung funktioniert.

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